Beschreibung des Touristenweges
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Touristenweg „Parks und Gärten in der Niederschlesischen Heide” – Geschichtlicher Hintergrund

Der Touristenweg verläuft hauptsächlich durch das hügelige Vorland der Westsudeten (Pogórza Zachodniosudeckie) sowie einen etwas weniger beeindruckenden, aber stark bewaldeten Teil der Schlesischen Niederung (Nizina Śląska). Historisch gesehen verläuft die Route durch den östlichen Teil der Oberlausitz (Górna Łużyca) und die westlichen Regionen Niederschlesiens (die ehemaligen Herzogtümer Schweidnitz und Jauer). Seit dem 14. Jahrhundert verlief die Geschichte beider Landstriche aufgrund der Zugehörigkeit zur Böhmischen Krone in ähnlichen Bahnen. Eine Epoche dynamischer Entwicklung wurde jäh durch den Dreißigjährigen Krieg 1618-1648) unterbrochen. 1635 wurde die Oberlausitz vom böhmischen König Ferdinand II. den Kurfürsten von Sachsen aus dem Hause Wettin als Lehen übertragen und wurde in der Folgezeit immer stärker in das Kurfürstentum integriert. Das benachbarte Schlesien blieb bis zum Ende des ersten Schlesischen Krieges 1742 ein Teil der böhmischen Länder im Habsburger Reich und fiel dann unter die Herrschaft der preußischen Hohenzollern. Aus dieser Zeit stammen die ältesten in der beschriebenen Gegend erhaltenen Parkanlagen, die nach geometrischem und gleichmäßigem Muster angelegt wurden. Die repräsentativen Parkanlagen wurden oft von kleineren Nutzgärten und Orangerien begleitet.

Für die Unterstützung Napoleons trug Sachsen 1815 territoriale Verluste zu Gunsten des siegreichen Preußens davon, woraufhin der östliche Teil der Oberlausitz mit Lauban und Görlitz (Lubań und Zgorzelec) der Provinz Schlesien im Rahmen des Königreichs Preußen (ab 1871 – Deutsches Kaiserreich) zugeschlagen wurde. In dieser Zeit wurden ‒ getragen von der Welle der Romantik und der aus England herübergebrachten Mode ‒ kleine Landschaftsparks um die Schlössern herum angelegt. Mit der Zeit, im 19 Jahrhundert wurden diese vergrößert, Wiesen und Waldstücke eingegliedert sowie Felder und Sichtachsen geschaffen, was die Parks immer mehr mit dem in jener Zeit so geschätzten natürlichen Landschaftsbild eins werden ließ. Die im Stil des Klassizismus oder Historismus umgebauten dörflichen Residenzen waren meistens von Landschaftsparks umgeben. Parkanlagen wurden ebenso in den Städten angelegt, oft indem man sich der alten Befestigungsanlagen entledigte oder auch bis dahin nicht bewirtschaftetes Gelände nutzt. Die Anlagen erhielten bald den Charakter eines städtischen „Salonzimmers”, indem man sie mit Denkmälern, repräsentativen Bauten und Freizeitobjekten füllte. Von hier wurde nicht nur die Silhouette der Altstadt bewundert, sondern auch die in jener Zeit entstehende, faszinierende Architektur industrieller Objekte, die sich oft in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadtparks befanden. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete sich nicht nur die Idee der „Gartenstädte” – weniger Stadt, sondern eher von Grün umgebende Siedlungen sowie das Durchziehen der Wohnviertel mit Grünstreifen („Durchgrünung”).

Nach 1945, als das hier beschriebene Gebiet an den von der Sowjetunion abhängigen polnischen Staat fiel, wurde die Niederschlesische Heide (tatsächlich liegt der größte Teil in der Lausitz) zu einem riesigen Truppenübungsgebiet, hauptsächlich genutzt von den sowjetischen Streitkräften. In dieser Zeit kam es zu einem Verfall der meisten Denkmäler, insbesondere der Schlösser und dazugehörigen Parks. Durch die Privatisierung der letzten Jahre erhalten jedoch zahlreiche Objekte allmählich ihren alten Glanz zurück. Auch die Stadtverwaltung schenkt den alten Stadtparks ein immer größeres Augenmerk. Die kulturelle Landschaft dieser Region ging jedoch nach 1945 zu einem bedeutenden Teil unwiederbringlich verloren.