Beschreibung des Touristenweges
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Sudetenhauptwanderwegs zu Ehren Mieczysław Orłowicza ‒ Geschichtlicher Hintergrund

Der Hauptwanderweg zu Ehren Mieczysław Orłowicz erinnert an den Nestor der polnischen Touristik. Er verläuft von Świeradów-Zdrój (Bad Flinsberg) im Westen bis nach Prudnik (Neustadt) im Osten (der hier beschriebene Teil führt von Szklarska Poręba (Schreiberhau) nach Orłowiec (Schönau), das heißt durch den interessantesten Teil der polnischen Sudeten). Es handelt sich um das historische Gebiet Schlesiens (das frühere Herzogtum Schweidnitz-Jauer) sowie Böhmens (das Glatzer Ländchen). Dieses Terrain wurde im 13.Jahrhundert nach deutschem Recht kolonialisiert und die Neusiedler veränderten die kulturelle Landschaft grundlegend. Es entstanden Burgen, Städte und dörfliche Siedlungen, die sich immer weiter in die höheren Bergregionen ausbreiteten. Mitte des 14. Jahrhunderts befand sich das Gebiet im Herrschaftsbereich der böhmischen Krone. Die Herrschaftskrise in diesem Staatsgebilde führte während der Herrschaft von Vladislav IV. zu jahrzehntelangen Kriegen (bis 1479). Dies hatte einen Rückgang der Siedlungsaktivitäten und den Zusammenbruch des Bergbaus zur Folge. Die Stabilisierung des böhmischen Staates im 16. Jahrhundert und ein Wiederaufleben der Wirtschaft verstärkten die Entwicklung der Städte. Zu einem neuen Faktor, der die Zusammensetzung der Bevölkerung bestimmte, wurde die Reformation. Religiöse Spannungen führten 1618 zu einem Aufstand der böhmischen Stände und in seiner Folge zum Dreißigjährigen Krieg, der ganze Landstriche entvölkerte. Der Triumph der Habsburger um den böhmischen Thron noch zu Zeiten des Krieges brachte eine massive Gegenreformation im Glatzer Ländchen und weniger ausgeprägt in Herzogtum Schlesien mit sich. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts war eine Zeit des langsamen Wiederaufbaus geprägt. Mit der Zeit drangen die Siedler wieder tiefer in die Berge vor. Wichtige politische Veränderungen brachte der erste Schlesische Krieg (1740-1742), als dessen Ergebnis der größte Teil Schlesiens sowie das östliche Grenzgebiet Böhmens – die Grafschaft Glatz – unter preußische Herrschaft fielen. Spätere Konflikte (1744-1745, 1756-1763, 1778-1779) bestätigten diese Gebietsgewinne. Seit dem Ende des 18. Jahrhundert, im Zuge der Romantik begann sich der Tourismus zu entwickeln. Immer größere Bedeutung gewannen die Kurbäder. Die Sudeten durchliefen auch eine starke Industrialisierung. Die bis dahin vorherrschende Tuch- und Glasmacherei wurde durch den sich stark entwickelnden Kohlebergbau (im Gebiet von Waldenburg und Neurode) verdrängt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Eisenbahnlinien gebaut. Die Sudeten wurden zum am stärksten industrialisierten Gebiet Schlesiens (eine ähnliche Entwicklung gab es auf der böhmischen und mährischen Seite der Berge). Seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wuchs der Tourismus immer stärker und es wurde eine reiche touristische Infrastruktur errichtet. Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg und die bis heute andauernde Rückständigkeit des Gebiete wurden verursacht durch: zuerst die Plünderungen, die von den sowjetischen Besatzungstruppen durchgeführt wurden, die Vertreibung der deutschen und tschechischen Bevölkerung und später das rigorose Grenzregime, das den Tourismus lähmte, und ungeklärte Besitz- und Rechtsverhältnisse (z. B. Verstaatlichung eines Großteils des Grundbesitzes); des Weiteren die negative Einstellung der zugezogenen Bevölkerung gegenüber dem deutschen kulturellen Erbe. Die sich heute verändernde Einstellung konnte noch nicht die verursachten Verluste aufwiegen.