Beschreibung des Touristenweges
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Niederschlesischer Jakobsweg – Geschichtlicher Hintergund

Zu heiligen Orten und Kultstätten pilgerten die Menschen schon im Altertum. Die Menschen waren sich deren Bedeutung bewusst. Im Mittelalter machte sich die Bevölkerung Europas auf den Weg zum Grabe Christi in Jerusalem und zum Grab des hl. Petrus in Rom. Viele wanderten auch an das am  „Ende der Welt“ gelegene Grab des hl. Jakobus des Älteren. In den 30er und 40er Jahren nach Christi missionierte der hl. Jakobus auf der Iberischen Halbinsel. Er war der erste Bischof von Jerusalem und der erste der Zwölf Apostel, der den Märtyrertod starb.  Gefunden wurde das Jakobusgrab vom Einsiedler Pelagius, der während einer Erscheinung vernahm, dass ihn ein „Feld von Sternen“ an den Ort führen solle, wo der Hl. Jakobus begraben liege. Santiago bedeutet auf Spanisch Hl. Jakobus und campus stellae auf Lateinisch Sternenfeld. Nach der Überlieferung bargen die Schüler des Apostels den Leichnam und wollten diesen an einen sicheren Ort verbringen. So gelangte dieser auf die Iberische Halbinsel, in die Umgebung des Ortes Finisterre (lateinisch. finis terrae – Ende der Welt). Der Körper des Apostels wurde einige Dutzend Kilometer von dem Ort begraben, wo das Schiff gelandet war. Für viele Jahrhunderte war dieses Ereignis in Vergessenheit geraten. Erst an der Wende des 8./9. Jahrhunderts wurden im Norden der Iberischen Halbinsel die Gebeine entdeckt, die als Reliquien des hl. Jakobus angesehen werden. An jenem Ort wurde eine Kapelle errichtet und 1078 eine romanische Kirche. 1120 verlieh Papst Calixt II. Santiago den Titel einer Metropolenhaupstadt.  Die Pilger, die von ihrer Reise zurückkehrten, brachten Muschelschalen mit, die es reichlich an der spanischen Küste gab und später Jakobsmuscheln genannt wurden. Diese wurden zum Symbol des Jakobswegs. An den Wegen, die häufig von den Pilgern benutzt wurden, entstanden Kirchen, Kapellen und Pilgerherbergen. Die Wege durchschnitten ganz Europa. Im 16. und 17. Jahrhundert, als Glaubenskämpfe ganz Europa heimsuchten, verloren die Pilgerfahrten zu diesem heiligen Ort an Bedeutung.

Erst nach dem Besuch von Johannes Paul II. in Santiago de Compostela im Jahre 1982, als der Papst in einer „Europa-Feier“ den Kontinent dazu aufrief, seine Wurzeln wiederzubeleben, wurde die Frage nach dem Gewicht und der Symbolik des Jakobweges laut. 1986 erklärte der Europarat den Pilgerweg zum ersten und wichtigsten Kulturweg unseres Kontinents. Ab diesem Moment wurden an den Pfaden, denen im Mittelalter die Pilger gefolgt waren, Kirchen und Kapellen am Wegesrand instand gesetzt und es wurde begonnen eine Übernachtungs- und Verpflegungsinfrastruktur zu errichten. Als erste beteiligten sich Länder Westeuropas am Projekt: Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Spanien, Portugal und die Benelux-Staaten. Nach dem Tode Johannes Paul II. wurde auf Initiative der „Jakobsbruderschaft“ und der polnischen Stiftung „Fundacja Wioski Franciszkańskiej“ (Stiftung des Franziskanerdorfes) der erste Abschnitt des Jakobswegs in Polen markiert, der von Olsztyn nach Prag führt. Die nächste markierte Route war die „Via Regia” (lateinisch für „Königsstraße”), die in Polen von Pilna bei Tarnów über Krakau, Opole und Brzeg führt und in Niederschlesien auf Oleśnica Mała trifft. Von dort kann man auch nach Breslau, Legnica, Zgorzelec und weiter auf markierten Pfaden durch ganz Europa pilgern, bis nach Santiago de Compostela. Außerdem gibt es in Niederschlesien folgende markierte Abschnitte: Sudecka Droga św. Jakuba (Sudetenroute des hl. Jakobs), Ślężańska Droga św. Jakuba (Zobten-Route des h. Jakobs) und den Jakobsweg Ścinawa – Chocianów .