Beschreibung des Touristenweges
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Touristenweg „Burgen und Schlösser Niederschlesiens” – Geschichtlicher Hintergrund

Niederschlesien, das historische Gebiet der Slensanen (pl. Ślężanie) und der von diesen unterworfenen schlesischen Stämme, fiel um 990 unter die Herrschaft Mieszko I. Die wichtigsten Wallburgen erhielten den Status von Kastellaneien – Verwaltungszentren, von wo aus die Kastellane im Namen des Herzogs ein bestimmtes Territorium verwalteten. Die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Anfangsphase des Zerfalls Polens in einzelne Herzogtümer, war die Zeit, in der in Schlesien die ersten Burgen errichtet wurden. Schlesien, laut Senoratsverfassung eines der selbstständigen Herzogtümer, war unter den polnischen Territorien führend im Burgenbau  – der im Westen aufgewachsene Bolesław I. nahm sich Westeuropa zum Vorbild, auch bei der Errichtung von Bauwerken. Als erstes entstanden die Burgen in Wleń, Breslau und Legnica.

Im 14. Jahrhundert wurden neben den aufgrund der Territorialaufteilungen immer zahlreicher werdenden Herzogsburgen auch viele Ritterburgen und Herrenhäuser gebaut. Aufgrund der Einnahmequellen vieler dieser Burgherren kann man häufig auch von Raubritterburgen sprechen.

Besonders viele Festungen entstanden in den Sudeten, im Herzogtum Schweidnitz-Jauer, entlang der Grenze zu Böhmen. Sie galten lange als ein etwas seltsames Befestigungssystem, aber heute ist bekannt, dass dieses auf eine sehr komplexe Art angelegt worden war.

Im 16. Jahrhundert entstanden in Schlesien hunderte von Herrenhäusern im Stil der Renaissance, die noch die Burgen als Vorbild hatten (geschlossene Anlage, Graben, reduzierte Befestigung), faktisch allerdings nur noch Residenzen für die Gutsbesitzer waren. Diese Herrenhäuser waren untrennbar mit den dazu gehörigen Gutshöfen verbunden.

In den folgenden Jahrhunderten wurden schon weniger Residenzen gebaut, häufiger wurden die bestehenden Herrenhäuser den neuen Bedürfnissen angepasst und im Geiste des Barock, Klassizismus oder der Romantik umgestaltet, außerdem wurden an den Gebäuden Gärten und Parks angelegt. Eine interessante Erscheinung war die Rekonstruktion einiger historischer Burgen und die Errichtung von sog. Künstlichen Ruinen.

Die über die ganze Region verteilten Residenzen waren zum größten Teil bis 1945 in Gebrauch. Danach sorgten der Krieg (weniger durch Kampfhandlungen, als durch spätere Plünderungen), der Bevölkerungsaustausch und das veränderte politische System für einen drastischen Verfall der Gebäude. „Geschätzt” wurden nur die mittelalterlichen Burgen, die  – zu Recht oder auch verfälschend – Piastenburgen genannt wurden, um das polnische Erbe der Region zu betonen. Die Adelsresidenzen aus den späteren Jahrhunderten wurden dem langsamen Verfall preisgegeben, indem diese den staatlichen Landwirtschaftsgenossenschaften zur Nutzung übertragen wurden. Nur einige wenige überdauerten die Zeit, z. b. als Schulen, Erholungsheime oder Ferienkolonien. Der Transformationsprozess nach 1989 erwies sich als kein leichter und so gab es neben einzelnen Privatisierungen und Restaurierungen auch zahlreiche Fälle, bei denen sich die Privatisierung als nicht so erfolgreich herausstellte oder bei denen es sogar zu einem raschen Verfall, der bis dahin noch staatlichen Institutionen unterhaltenen Objekte kam..

Zurzeit kann ein langsamer Prozess des Wiederaufbaus einiger Schlösser und Herrenhäuser beobachtet werden. Viele Bauwerke warten jedoch weiterhin auf ihre letzte Chance bzw. auf ihren endgültigen Abriss.

In fast ganz Niederschlesien (und ebenso im Glatzer Ländchen und der Lausitz, die historisch gesehen eigene Gebiete darstellen) finden wir ein unglaubliche Anzahl von unterschiedlichsten und zu verschiedenem Grad erhaltenen Residenzen – Burgen, Schlösser, Herrenhäuser, Villen, die sämtliche Jahrhunderte und Baustile repräsentieren. Häufig sind diese mit Parkanlagen verbunden.