Beschreibung des Touristenweges
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Geschichtlicher Hintergrund

Viele von uns, die schon von der Prinzessin der Niederlande gehört haben, die so sehr von Schlesien – und besonders dem Glatzer Ländchen – angetan war, werden sich fragen, warum die Prinzessin sich entschied, den Großteil ihres Lebens unter den einfachen Bürgern von Kamenz, Seitenberg oder Wölfelsgrund zu verbringen. Marianne von Oranien-Nassau hätte wohl nie diese Gegend des heutigen Niederschlesiens besucht, wenn nicht der französische Kaiser Napoleon auf entscheidende Weise in ihr Schicksal eingegriffen hätte.

Der Anfang des 19. Jahrhunderts war eine besonders unruhige Zeit in der Geschichte Europas  – gerade auch aufgrund  der Person von Napoleon Bonaparte. Dieser eroberte in jener Zeit die Niederlande und machte aus diesen ein Königreich, auf dessen Thron er seinen Bruder Ludwig einsetzte. Der ehemalige Erbstatthalter, Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau, war gezwungen Schutz und Hilfe am Hofe des preußischen Königs zu suchen – seines Schwagers. Im Jahre 1810, während des Aufenthaltes in Berlin erblickte Wilhelmina Frederika Louise Charlotte Marianne Prinzessin der Niederlande  – bekannt als Marianne von Oranien-Nassau das Licht der Welt.

Die fehlende Möglichkeit in die Niederlande zurückzukehren, bedeutete für das Geschlecht der von Oranien-Nassau die Notwendigkeit sich nach neuen Einnahmequellen umzutun. Die 1810 durchgeführte Säkularisierung der Kirchengüter im Königreich Preußen nutzend, erwarb die Gemahlin von Wilhelm, Wilhelmine (aufgrund ihrer preußischen Abstammung) weitläufige Ländereien der gerade aufgelösten Klöster in Leubus, Heinrichau und Kamenz, die der Familie das Einkommen sichern sollten. 1815 kehrte Wilhelm Friedrich mit seiner Familie in die Niederlande zurück, wo er letztendlich gekrönt wurde. Die erworbenen Ländereien blieben jedoch im Besitz von Wilhelmine. Am Ende ihres Lebens übertrug die Königin den ehemaligen Zisterzienserbesitz an ihre Tochter Marianne von Oranien-Nassau, die seit 1830 mit Ihrem Ehemann, Albrecht von Hohenzollern, in Berlin lebend es sehr viel näher nach Schlesien hatte als ihre Mutter. 1838 erbte Marianne dann offiziell den Besitz nach dem Tode ihrer Mutter.   

Ab dem Moment der Übernahme der Ländereien von Kamenz sah Marianne diese als ihre eigentliche Heimat an, indem sie sich sowohl für deren wirtschaftliche Entwicklung als auch für die Verbesserung der Lebensumstände der Bewohner einsetzte. 1838 erwarb die Prinzessin die Seitendorfer Herrschaft und den Ritterbesitz Schreckendorf – Ländereien und eine Schlossanlage in der Nähe von Seitenberg – sowie die Herrschaft Schnallenstein im südwestlichen Teil des Glatzer Ländchens mit ihrem Sitz in Rosenthal. In ihren Ländereien ordnete sie die Errichtung zahlreicher Industriebetriebe an oder unterstützte die Gründung dieser: Hüttenöfen, eine Gießerei und Schleiferei in Schreckendorf, eine Reihe sog. Kalköfen – Öfen, in denen Kalk für Baustellen gebrannt wurde, Mamorsteinbrüche (wo noch heute der bekannte weiße, rosa und grüne Mariannen-Marmor abgebaut wird) oder die in ganz Europa bekannte Oranienhütte für Kristallglas. Ihr verdank das vorher unbekannte Wölfelsgrund seine schnelle Entwicklung und Berühmtheit als touristische Perle der Sudeten. Dank ihrer Bemühungen entstand ein dichtes Netz von Straßen und Wegen, was die Entwicklung sogar kleinster Orte ermöglichte. Die Armen, Verlassenen und Kranken wurden ebenfalls von Prinzessin Marianne unterstützt – dank dieser entstanden Armenhäuser, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Schulen.

Die berühmteste Erinnerung an Marianne von Oranien-Nassau ist das Schloss in Kamenz. Es handelt sich um eine weitläufige, wunderschöne Schlossanlage nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. Der Bau dauerte mehrere Jahrzehnte und kostete den Gegenwert von drei Tonnen Gold. Auch heute noch beeindruckt das Schloss– obwohl dieses nach Bränden in Kriegen und Plünderungen nur noch eine Andeutung des ursprünglichen Palastes ist.

Es scheint jedoch, dass nicht das riesige und wunderschöne Schloss die wichtigste Hinterlassenschaft von Prinzessin Marianne ist, sondern vielmehr der Umstand, dass diese von ihren Untertanen die „gute Herrin” genannt wurde und als solche in Erinnerung geblieben ist.